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Hella Blum

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Themenbereich Neue Medien

Hier stehe ich - Kirchliches Leben und digitaler Wandel

Annäherungen
„Ich habe dir soeben geschrieben.“
„Ja, und ich habe dir auch schon geantwortet.“

O-Ton einer Echtzeit-Kommunikation in On- und Offline - ein Tischgespräch zwischen zwei Jugendlichen, die sich auf einer Freizeit beim Frühstück mit ihren Smartphones gegenüber saßen.

„Toll ist auch die Vernetzung, mit wer weiß wem [ich] alles kann in Kontakt sein, auf verschiedene Weise… das tolle die ‚Nicht-Einsamkeit‘, es steht immer diese ‚Welt‘ wie eine abstrakte echte Welt offen und verleiht das entsprechende Gefühl. Was stimmt, ist, dass die Art auch wieder schwierig sein kann/werden kann. Aber es hat viele Vorteile … Einfaches Beispiel: Heute kann ich immer denken, ‚das liest vielleicht jemand‘, wo früher jeder für sich war, alleine und nicht an die Öffentlichkeit treten konnte.“
Zitat aus einem Facebook- Kommentar, der auf der Chrismon-Fanpage zu lesen war.

1. Der digitale Wandel – Chance und Herausforderung
Wir sind soziale Wesen, auf Kommunikation, Zugehörigkeit und Gemeinschaft angewiesen. Der tiefgreifende digitale Wandel unserer Gesellschaft wirkt sich auch auf diese Bereiche aus und verändert den Alltag Vieler, denn die Nutzung des Internets ist schon lange kein Spartenphänomen mehr. Nach der ARD-ZDF-Online-Studie hatten 2015 achtzig Prozent der über 14jährigen in Deutschland einen Internetzugang, 63 Prozent nutzen das Internet täglich, vor allem zur Information, Unterhaltung und Kommunikation.

Das Web 2.0 eröffnet den Weg zur einfachen und schnellen Kommunikation in Echtzeit
Whatsapp, Facebook, Skype und jetzt Snapchat – das Web 2.0 hat den Weg eröffnet für einfache und schnelle Kommunikation in Echtzeit, auch mit weit entfernten Gesprächspartnern. Insbesondere diese neuen Kommunikationsmöglichkeiten werden intensiv in Anspruch genommen. Mit 34 % hat die Kommunikation, z.B. über Messenger-Dienste und soziale Netzwerke des interaktiven Web 2.0, den größten Anteil an der täglichen Internet-Nutzungszeit, gefolgt von 22 % oder einer halben Stunde täglich für Informationssuche und Mediennutzung.

Die Netzkultur ist eine Kultur des Teilens und Mitteilens in all ihrer Ambivalenz
Das Web 2.0 bietet neue Möglichkeiten zur Vernetzung untereinander, neue Zugehörigkeiten, Communities, jenseits von Familie, Nachbarschaft, Beruf sind entstanden. Es macht ebenso neue Formen der Zusammenarbeit und des Fundraising im virtuellen Raum möglich. Andererseits sind die sozialen Netzwerke neue Orte für Mobbing und Hetzparolen geworden. Das 2015 erschienene Impulspapier „Das Netz als sozialer Raum hält fest: „Die Netzkultur ist eine Kultur des Teilens und Mitteilens in all ihrer Ambivalenz“.

Das Web 2.0 - ein Ort der Entsolidarisierung oder des neuen Wir-Gefühls? 
Im öffentlichen Raum melden sich Skeptiker, aber auch Optimisten im Blick auf die Veränderung von Kommunikation und Gemeinschaft durch das Web 2.0 zu Wort. Stellvertretend hier zwei Lektüre-Fundstücke: aus dem letzten Jahr:

Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik an der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg, warnt in ihrem Buch „Digitale Theologie“ vor einer Entsolidarisierung der Gesellschaft durch die Digitalisierung. An die Stelle von Solidarität rückten Selbstoptimierungsprozesse des Einzelnen.

Petra Grimm, Leiterin des Instituts für Digitale Ethik in Stuttgart, hat 20150 auf dem 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart demgegenüber auf die Chance der Entwicklung eines neuen Wir-Gefühls hingewiesen und die Trendforscherin Kathleen Ziemann ist der Überzeugung, dass Jugendliche über das Netz für soziale Projekte gewonnen werden. "Das Potenzial ist da, aber in Deutschland gibt es leider bisher zu wenig digital-soziale Initiativen."

Eine weltweite Studie zu den sozialen Veränderungen durch Social Media wird 2017 vorliegen
Die Relevanz der Veränderungen kann man z.B. auch daran ablesen, dass sich derzeit eine globale Studie den sozialen Veränderungen durch Social Media Nutzung widmet. Die Global Social Media Impact Study, geleitet vom britischen Anthropologen Daniel Miller, ist das derzeit weltweit größte Social-Media-Projekt, finanziert vom Europäischen Forschungsrat mit einer Laufzeit von fünf Jahren. 2017 soll das Projekt abgeschlossen werden. Acht Anthropologen forschen gleichzeitig in acht Ländern. England, Trinidad, Türkei, Brasilien, Chile, Italien, Indien, China. Dabei stützt sie sich nicht auf große Datensammlungen, auf Big Data, sondern geht den Weg der qualitativen Sozialforschung. Einzelne Menschen werden zu ihrem Verhalten im Netz befragt.

1. Der Arbeitsbereich „Neue Medien“ an der Evangelischen Akademie im Rheinland
Der an der Evangelischen Akademie im Rheinland neu eingerichtete Arbeitsbereich „Neue Medien“ ist ein Beitrag der rheinischen Landeskirche, den aktuellen Herausforderungen durch den digitalen Wandels nachzugehen und sie kritisch zu begleiten.

Der neue Arbeitsbereich geht den Veränderungen, den Chancen und den Fragen nach, die sich für die Gesellschaft im Allgemeinen, aber vor allem für die Kirche im Besonderen - als Institution und als Gemeinschaft der Gläubigen - aus dem digitalen Wandel im Blick auf Kommunikation und Miteinander ergeben.

Entsprechend des Akademieauftrags lädt die Studienleiterin Interessierte aus dem säkularen und kirchlichen Raum dazu ein, sich mit diesen Fragen strittig und diskursiv auseinanderzusetzen. Dabei steht sie in engem Austausch mit anderen Partnern aus dem Raum der evangelischen Kirche im Rheinland, die ebenfalls mit Fragen des digitalen Wandels befasst sind.

Das Projekt ist im Aufbau, die weitere Konkretisierung ist ab dem 2. Halbjahr 2016 geplant.

2. Zwei Fragenstellungen stehen aktuell im Mittelpunkt des Themenbereiches Neue Medien:

Fragestellung 1:
Digitalen Wandel mitgestalten – welche Handlungsoptionen hat die Kirche?


Ausgangspunkt ist hier die Frage: Inwieweit und auf welchem Weg kann Kirche den digitalen Wandel mitgestalten, wie es die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland 2014 ausdrücklich als Forderung festgehalten hat?

Der Themenbereich „Neue Medien“ greift dazu in Kooperation mit dem Internetbeauftragten der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR), Pastor Ralf Peter Reimann, aktuelle Fragestellungen in der EKiR auf, z.B. zu Datenschutz, Datensicherheit, Open Educational Ressources und digitaler Souveränität.

In Tagungen und Workshops werden einerseits praktische Fragen erörtert. Andererseits sollen hier theologische und medienethische Impulse eingebracht und erörtert werden. Im weiteren Verlauf kann sich darauf ein Profil einer evangelischer Medienethik entwickeln, die das christliche Menschenbild und die sich daraus ableitenden Forderungen z.B. im Blick auf Privatheit und Öffentlichkeit im Netz verstärkt in den öffentlichen Diskurs einbringt.

Im Projektverlauf ergänzen sich ganztägige Tagungen, Abendveranstaltungen, Workshops und Online-Aktivitäten. Die Auftakttagung "Mehr digitale Souveränität gewinnen" hat am 6. April 2016 in Köln stattgefunden.

Fragestellung 2:
Chancen digitalen Wandels wahrnehmen –
lassen sich neue Formen der Gemeinschaft finden?
Eine Felderkundung im kirchlichen Raum
Wie verändert sich der persönliche Alltag, der Alltag in kirchlichen Einrichtungen und Gemeinden durch die neuen Medien? Welche Veränderungen beobachten Haupt- und Ehrenamtliche und Gemeindemitglieder? Welche Chancen bieten die neuen Medien für die Kirche?

Diese übergeordneten Fragen sollen anhand einzelner Aspekte konkretisiert werden. Der Schwerpunkt liegt dabei auf dem praktischen Gemeindeleben. Erster, für 2016 bis 2018 geplanter Themenschwerpunkt soll der für kirchliches und christliches Leben zentrale Begriff der Gemeinschaft sein.

Wie verändert der digitale Wandel unser Empfinden von Gemeinschaft?
Wie verändert der digitale Wandel unser Empfinden und unser Verständnis von Gemeinschaft, auch im Raum der Kirche? Welche Formen gemeindlichen und kirchlichen Lebens, von Gemeinschaft sind in der Verbindung von offline und online, von persönlicher und virtueller Begegnung denkbar und machbar?

Das Web 2.0 - ein Ort der Entsolidarisierung oder des neuen Wir-Gefühls?
Dazu gibt es im öffentlichen Raum Skepsis und Optimismus:
Johanna Haberer, Professorin für Christliche Publizistik an der Theologischen Fakultät der Universität Erlangen-Nürnberg, warnt in ihrem Buch „Digitale Theologie“ vor einer Entsolidarisierung der Gesellschaft durch die Digitalisierung. An die Stelle von Solidarität rückten Selbstoptimierungsprozesse des Einzelnen.

Petra Grimm, Leiterin des Instituts für Digitale Ethik in Stuttgart, hat im selben Jahr auf dem 35. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Stuttgart demgegenüber auf die Chance der Entwicklung eines neuen Wir-Gefühls hingewiesen und die Trendforscherin Kathleen Ziemann ist in einem epd-Interview der Überzeugung, dass Jugendliche über das Netz für soziale Projekte gewonnen werden. "Das Potenzial ist da, aber in Deutschland gibt es leider bisher zu wenig digital-soziale Initiativen."

Eine weltweite Studie zu den sozialen Veränderungen durch Social Media wird 2017 vorliegen
Die allgemeine Relevanz des Themas „Gemeinschaft und ihre Veränderung durch soziale Medien“ kann man z.B. daran ablesen, dass sich derzeit eine globale Studie den sozialen Veränderungen durch Social Media Nutzung widmet. Die Global Social Media Impact Study, geleitet vom britischen Anthropologen Daniel Miller, ist das bisher weltweit größte Social-Media-Projekt, finanziert vom Europäischen Forschungsrat mit einer Laufzeit von fünf Jahren. 2017 soll das Projekt abgeschlossen werden. Acht Anthropologen forschen gleichzeitig in acht Ländern. England, Trinidad, Türkei, Brasilien, Chile, Italien, Indien, China. Dabei stützt das Projekt sich nicht auf große Datensammlungen, auf Big Data, sondern geht den Weg der qualitativen Sozialforschung. Einzelne Menschen werden zu ihrem Verhalten im Netz befragt.

Konkrete Projekte, Tagungen und Online-Aktivitäten sollen sich aufeinander beziehen
Der Themenschwerpunkt weist im Blick auf die Durchführung einige Besonderheiten auf: Er ist partizipativ angelegt, weil auch das Web 2.0 partizipativ ist. Es ist angestrebt, die Sichtweise unterschiedlicher Generationen zu der Fragestellung einzubeziehen.
Beides bedeutet konkret: Je ein konkretes Projekt und diskursive Tagungen zum Thema sollen sich aufeinander beziehen und sich gegenseitig bereichern.

Impulse aus dem gesellschaftlichen Raum und wissenschaftliche Forschungen werden dabei ebenso als Denkanstöße genutzt wie biblische und theologische Positionen zur Gemeinschaft. Als weiteres konstitutives Element sind Online-Aktivitäten hier auf dieser Internetseite geplant.

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Hella Blum (hbl) / 05.05.2016



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